Köstritzer Spiegelzelt startet in die 9. Saison
23. November 2011 – 14:38 | Kein Kommentar

Ein Weimarer Gespräch mit Martin Kranz, Intendant und Oberbürgermeister-Kandidat
Musik, Theater, Tanz und Texte sind die Erfolgszutaten für ein Veranstaltungskonzept, das in der Klassikerstadt an der Ilm seit acht Jahren ständig neue Akzente setzt. Im letzten …

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Köstritzer Spiegelzelt startet in die 9. Saison

Geschrieben von am 23. November 2011 – 14:38Kein Kommentar
Martin Kranz

Martin Kranz (Foto: Guido Werner)

Ein Weimarer Gespräch mit Martin Kranz, Intendant und Oberbürgermeister-Kandidat

Musik, Theater, Tanz und Texte sind die Erfolgszutaten für ein Veranstaltungskonzept, das in der Klassikerstadt an der Ilm seit acht Jahren ständig neue Akzente setzt. Im letzten Jahr kamen 17.000 Gäste, um sich in 38 Veranstaltungen im Köstritzer Spiegelzelt auf hohem künstlerischen und kulinarischen Niveau unterhalten und bewirten zu lassen. Welche Schwer- und Höhepunkte die neunte Auflage bereithält, erfragten wir bei Martin Kranz.
Über 90 Prozent Auslastung, begeisterte Zuschauer, überregionale Beachtung und Künstler, die gern wiederkommen – Herr Kranz, was macht das Köstritzer Spiegelzelt aus Ihrer Sicht so erfolgreich?
Ich glaube, es sind drei Aspekte. Erstens und entscheidend: die programmatische Vielfalt, die auf hohem künstlerischen Niveau ein klares und gutes Angebot macht.
Wichtig dabei ist, dass man neben den bekannten Größen auch immer wieder Neues präsentiert. Im Vertrauen auf die Marke Köstritzer Spiegelzelt gehen die Gäste mittlerweile auch zu Künstlern, die sie gar nicht kennen.
Das Zweite ist das gesamte Ambiente: die Stadt Weimar, der Standort im Park, die Atmosphäre im Spiegelzelt und darum herum.
Und zum Dritten: das perfekte Team, das – außer in der Gastronomie – seit neun Jahren aus den gleichen Leuten besteht – hochmotiviert, extrem engagiert und sehr gern dabei. Auch die Künstler fühlen sich wohl, wenn sie merken, wie die Leute – der Produktionschef, die Techniker et cetera – aufeinander abgestimmt sind. Und das kommt dann am Abend auch wieder von der Bühne zurück.

Seit dem 11. November ist das neue Programm bekannt und der Ticketvorverkauf läuft auf Hochtouren. Wo sehen Sie die künstlerischen Höhepunkte für 2012 und auf welche Neuerungen können sich die Spiegelzelt-Gäste freuen?
Nachdem wir beim vergangenen Festival wichtige Dinge neugestaltet haben – ein größeres Zelt, ein neues Ticketing-System – knüpfen wir diesmal daran an und verfeinern diese erfolgreichen Neuerungen, indem wir beispielsweise technische Abläufe optimieren oder auch die Gastronomie weiter perfektionieren.
Im Programm hat sich jedoch eine Menge getan. Der Hauptschwerpunkt ist diesmal das Thema „A Capella“. Es werden die führenden A-Capella-Formationen aus Deutschland und dem europäischen Ausland auftreten. Ich finde, das ist eine künstlerische Form, die so individuell unterschiedlich und spannend ist, dass ich da gern mein Augenmerk drauf legen wollte. Insgesamt werden fünf der 37 Veranstaltungen dem A-Capella-Thema gewidmet sein. Das Abschlusskonzert wird dieses Mal von Maybebop gestaltet, den Marlene-Preisträgern des Köstritzer Spiegelzeltes 2011. Sie warten mit einem speziellen Spiegelzeltprogramm auf.
Ein weiteres Highlight ist für mich unter vielen anderen Hagen Rether, den ich sehr schätze als politischen Musikkabarettisten. Er kehrt nach Ausflügen in die Weimarhalle zu uns ins Zelt zurück. Auch auf die zwei unglaublich guten Auftritte von Stefan Gwildis freue ich mich sehr. Er besucht uns nach seiner 2011er Spiegelzelt-Premiere zum zweiten Mal. Und … eingeladen habe ich einen hier noch
relativ unbekannten Musikkabarettisten: Lars Reichow, der für mich eine absolute Offenbarung war – musikalisch und von der Qualität ganz toll! Auch bin ich froh über Jasmin Tabatabei, die vor kurzem ihre erste deutsche Platte mit Jazz-Arrangements und Chansons herausgebracht hat.

Etwa 40 Prozent der Spiegelzelt-Besucher kommen nicht aus Thüringen. Damit hat das Zelt auch eine touristische Bedeutung für die Kulturstadt. Wo sehen Sie geeignete Ansatzpunkte, privates Engagement mit kommunalen Zielen zu koppeln?
Ich finde, es muss – unabhängig vom Spiegelzelt – darum gehen, dass clevere, durchdachte, kreative Privatinitiativen von Anfang an von einer Kommune unterstützt werden, indem – wo es nötig ist – Hilfe einfach angeboten wird. Dabei geht es nicht um Geld, vielmehr erwarte ich Unterstützung bei der Platzwahl, bei den Mietpreisen, beim Thema Genehmigungsverfahren. Ich möchte am Ende einfach spüren, dass die Stadt sagt: Wir wissen um die Wichtigkeit und die Bedeutung dieses Festivals und dort, wo wir können, helfen wir.
Das ließe sich dann auch auf andere Projekte übertragen, wo sich Menschen zusammenfinden und gemeinsam etwas tun. Bemerkenswert finde ich zum Beispiel das „lyric opera studio“, einen Sommerkurs, zu dem sich Gesangsstudenten aus der ganzen Welt in Weimar einfinden, um vor Ort gemeinsam diverse Opern einzustudieren.

Mit acht Jahren Produzenten-Erfahrung, einer Zeltvergrößerung, neuen Ticketvertriebswegen und konstanten Programmerweiterungen haben Sie einen guten Überblick, was eine Spiegelzeltproduktion heute ausmacht. Geben Sie uns bitte dazu ein paar Einblicke!
Noch während das eine Festival läuft, sind in der Regel 50 bis 75 Prozent der Programmplanung fürs nächste Jahr bereits geklärt. Oft frage ich ausgewählte Künstler vor Ort, ob sie sich einen erneuten Spiegelzelt-Auftritt in einem der Folgejahre vorstellen können. So ergibt sich bei mir ein enorm langer Vorlauf, durch den ich eben auch schon im Herbst mit einem Festivalprogramm fertig bin und der riesigen Ticketnachfrage mit einem Verkaufsstart im November gerecht werden kann. Zuvor erfolgten das Layout, die Produktion und die Präsentation des Programmheftes sowie aller Werbemittel. Mit der Online-Ticketshop-Einführung im letzten Jahr haben wir übrigens die Hälfte aller Karten übers Internet verkauft. Nach einer vierwöchigen Aufbauzeit beginnen die eigentlichen Veranstaltungen, an denen dann etwa 30 Personen pro Abend beteiligt sind, die im Übrigen alle bezahlt werden müssen, nachdem bereits 50 Prozent der Einnahmen an den Künstler gehen. Das macht alles riesigen Spaß, ist am Ende aber auch sehr teuer.

Neben dem eigentlichen Veranstaltungsprogramm machen auch die Bewirtung und die Vermietung Teile des Produktes „Köstritzer Spiegelzelt“ aus. Wie wichtig sind diese Komponenten?
Essen und Trinken sind wichtig fürs Wohlbefinden der Gäste. Zusammen mit dem eigentlichen Programm machen diese Komponenten einen Abend im Köstritzer Spiegelzelt zu einem Gesamterlebnis und sind Teil des Erfolgsrezeptes. Dieses gehobene Ambiente ist auch Grund für viele Unternehmen, an spielfreien Abenden das Spiegelzelt für eigene Veranstaltungen exklusiv zu mieten. Etwa 50 bis 300 Leute können hier niveauvoll bewirtet werden und viele Termine sind auch noch frei.

Was passiert eigentlich mit Ihren Kulturprojekten, wenn Sie als OB-Kandidat des Weimarwerks erfolgreich aus den Wahlen im nächsten Jahr hervorgehen?
Klar ist, dass ich mich im Falle eines Wahlerfolgs aus jeglicher operativer Verantwortung in der „kulturdienst: GmbH“ zurückziehen werde. Da gibt es einen ganz klaren Cut. Das ist für mich natürlich eine Herausforderung im personellen Bereich, um dort eine Lösung zu finden, die mir mit gutem Gewissen den Abschied leicht macht und wo ich sage, die großen Projekte, die Festivals sind in guter Hand. Das ist schon passiert und ich habe ein sehr gutes Gefühl dabei. Es wird in gewohnter Art und Qualität beim „kulturdienst“ weitergehen.

Köstritzer Spiegelzelt
3. Mai – 17. Juni 2012
Beethovenplatz, Weimar
37 Veranstaltungen
Kapazität: 500 Sitzplätze
www.koestritzer-spiegelzelt.de

Das Köstritzer Spiegelzelt ist ein historischer »dans paleis« aus dem Holland der Jahrhundertwende. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Zelt die Attraktion von Stadtfesten und Jahrmärkten in den Niederlanden und in Belgien; mit seiner einzigartigen Atmosphäre aus rotem Samt, altem Holz und zahllosen Spiegeln wird es nun zum Schauplatz von Musik, Theater und Kabarett in Weimar.

MARTIN KRANZ
Martin Kranz ist 1970 im Weimarer Sophienhaus geboren worden. Er hat in Leipzig und Weimar Gesang und Kulturmanagement studiert. Als Intendant leitet Kranz das Köstritzer Spiegelzelt Festival Weimar und die Jüdischen Kulturtage in Berlin.
Seit sieben Jahren gehört er dem Weimarer Stadtrat an und engagiert sich ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen und Organisationen. Martin Kranz ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit der Familie. In Weimar ist er entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.

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